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Guter Sprachstil, eine hohe Kunst?

 
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Manfred Riebe



Registriert seit: 23.10.2002
Beiträge: 2840
Wohnort: 90571 Schwaig bei Nürnberg

Beitrag: Donnerstag, 20. Jan. 2005 14:17    Titel: Guter Sprachstil, eine hohe Kunst? Antworten mit Zitat

Bis jetzt hat sich kaum jemand in die Rubrik „Stilkunde allgemein“ gewagt. Ob das wohl am Wort „Sprachstil“ liegt, das etwas nach Schule klingt? Werden vielleicht Erinnerungen an Deutschaufsätze mit dem Korrekturvermerk „Stil!“ wach? Man denkt z.B. an Ludwig Reiners‘ „Stilfibel“ oder an seinen Vorgänger Eduard Engel: Deutsche Stilkunst. Leipzig: Hesse & Becker Verlag, 1911, oder an Eduard Engel: Gutes Deutsch. Ein Führer durch Falsch und Richtig. Leipzig: Hesse & Becker Verlag, 1918.

Geht es um eine hohe Kunst, die nur noch wenige Schreibberufler beherrschen, z.B. Schriftsteller, Journalisten? Egal, Sie sind alle eingeladen. ich fange einfach einmal an.

Nicht nur die Rechtschreibreform trägt durch die Getrenntschreibung zur Sprachverarmung bei. Auch durch Sprachschlampereien gehen sprachliche Feinheiten verloren. Achten Sie einmal darauf, wie häufig Politiker und andere Prominente sagen: „Ich denke mal.“

Was könnte man anstatt „Ich denke mal.“ sagen?

Ich vermute, nehme an, finde, glaube, meine .... Und was noch?
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Thorsten Lehmann



Registriert seit: 04.12.2005
Beiträge: 10

Beitrag: Mittwoch, 21. Jun. 2006 16:21    Titel: Re: Guter Sprachstil, eine hohe Kunst? Antworten mit Zitat

Manfred Riebe* hat folgendes geschrieben:
[...]
Geht es um eine hohe Kunst, die nur noch wenige Schreibberufler beherrschen, z.B. Schriftsteller, Journalisten? Egal, Sie sind alle eingeladen. ich fange einfach einmal an.

Nicht nur die Rechtschreibreform trägt durch die Getrenntschreibung zur Sprachverarmung bei. Auch durch Sprachschlampereien gehen sprachliche Feinheiten verloren. Achten Sie einmal darauf, wie häufig Politiker und andere Prominente sagen: „Ich denke mal.“

Was könnte man anstatt „Ich denke mal.“ sagen?

Ich vermute, nehme an, finde, glaube, meine .... Und was noch?

*Hervorhebungen durch mich

Guten Tag Herr Riebe,

grundsätzlich ist Ihnen recht zu geben, wenn Sie behaupten, Sprachschärfe nehme allgemein und durch die RSR ab. Dennoch möchte ich Sie auf eine etwas weitere Sicht aufmerksam machen.

1. Man unterscheidet in der Linguistik stets zwischen gesprochener und geschriebener Sprache. Wenn Sie „dem Volk aufs Maul schauen“, können Sie längst dem Volk längst noch nicht auf den Griffel schauen. Es bestehen mitunter immense Unterschiede zwischen dem, was jemand sagt und schreibt.

2. Ich finde, Sie denken hier zu dogmatisch. Dies soll nicht heißen, daß ich Sprachschärfe kleinreden will, doch kann denken und auch finden(!) durchaus mehrere Bedeutungen haben. Die von ihnen genannten Alternativvorschläge stehen hier als Synonym mit jeweils einem feinen Nuancenunterschied zueinander. Denken kann eingereiht werden. Allerdings haben all(!) Ihre Beispielwörter auch eine andere Bedeutung, wenn sie in einem anderen Zusammenhang stehen. Sprache ist eben nicht Mathematik und Wörter, die mal gleich(Synonyme) sind, sind es längst nicht immer.

Mit freundlichen Grüßen
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Peter Lüber



Registriert seit: 01.06.2004
Beiträge: 72

Beitrag: Mittwoch, 21. Jun. 2006 19:58    Titel: Re: Guter Sprachstil, eine hohe Kunst? Antworten mit Zitat

Guten Abend, Herr Lehmann!

Herr Riebe meint ja nichts anderes, als daß man, anstatt „ich vermute, nehme an, finde, glaube, meine usw.“, nicht immerzu „ich denke“ sagen sollte. Ich vermute, daß Menschen, die stets „ich denke“, anstatt „ich vermute“ oder „ich nehme an“ sagen, nicht für unwissend oder gar für gedankenlos gehalten werden möchten. Hierzu fällt mir noch etwas ein: Amerikaner beginnen, wenn sie befragt werden, beinahe jede ihrer Antworten mit „I think“ – was jedoch nicht heißen soll, daß Amerikaner mehr glauben, als Deutsche denken.
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Peter Lüber



Registriert seit: 01.06.2004
Beiträge: 72

Beitrag: Donnerstag, 22. Jun. 2006 18:45    Titel: Stil Antworten mit Zitat

Vor der Rechtschreibreformreformreform fühlte ich mich im Schreiben ziemlich sicher. Nur selten mußte ich ein Wörterbuch aufschlagen und sehr selten das Stilwörterbuch.* Heute ist das anders. Durch das Lesen von Zeitungen, deren Redakteure den Schwachsinn der Kulturbürokraten tagtäglich freiwillig verbreiten, werde ich allmählich immer unsicherer. Um meine Unsicherheit nicht noch größer werden zu lassen, lese ich, sobald ich in einer deutschen Zeitung ein „dass“ erblicke, keine Silbe mehr weiter.

*Aufrichtig gestehe ich, daß ich dort oben, wo das Sternchen steht, noch gerne einen Satz eingefügt hätte, und zwar diesen: „Ich hatte Schreiben durch Lesen gelernt.“ Jedoch einmal mehr fühlte ich mich verunsichert; und deshalb ließ ich ihn weg. „Ich hatte schreiben durch lesen gelernt“, wollte ich schreiben. Ja, so ist es: Durch die Rechtschreibreformreformreform fühle ich mich behindert, im Denken ebenso wie in der Mitteilung meiner Gedanken. Die deutschen Kultusminister sollten mir eine „Geistig-Behinderten-Rente“ auszahlen.

Begründung meines Anspruchs: Da ich nicht anders als auf Schwyzerdütsch denken kann, das heißt in der Sprache meiner Mutter, und ich in der Schule bloß Hochdeutsch als Schriftsprache gelernt habe und demnach fortwährend verdolmetschen muß, um einem in deutscher Muttersprache Denkenden meine Gedanken mitzuteilen, fühle ich mich durch den undemokratischen Erlaß der deutschen Kultusminister im schriftlichen Ausdruck meiner Gedanken beeinträchtigt.

Vorschlag zur Schlichtung: Sollte die Auszahlung einer Rente nicht möglich sein – etwa deshalb, weil die Verleger deutscher Wörterbücher sämtlichen finanziellen Gewinn aus der Rechtschreibreformreformreform vereinnahmt haben – dann würde ich mich, als Mann und Macho, zur Not auch mit einer attraktiven Lektorin abfinden, die die bewährte Rechtschreibung noch beherrscht. Auch eine junge Germanistikstudentin wäre mir angenehm (zu dieser würde ich, wenn ich nicht ihrer Meinung wäre, sagen, was Thorsten Lehmann zu einer Schreiberin in diesem Forum gesagt hat: „Na, liebe Erika, hier widerspricht sich Ihre Argumentation ein wenig“; wobei ich natürlich das anmaßende Duzen nicht durch das gebührende Siezen verhunzen würde – denn etwas Stil muß sein, wenn die Gedanken fehlen).
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Peter Lüber



Registriert seit: 01.06.2004
Beiträge: 72

Beitrag: Samstag, 24. Jun. 2006 13:34    Titel: Erster Entwurf Antworten mit Zitat

Früher Tatort, heute Standort,
Deutschland stillsteht, schnarchend ruht.
Ruhestörung wird bestrafet,
Weil viel Lärm, der tut nicht gut.

Lasset Derrick und den Alten
Lösen den Sanierungsfall
Und ernennet Kultminister.
Hört auf deren Redeschwall.

Deutsch’ Bevölk’rung ist gehorsam,
Nur die Kids, die folgen nicht.
Damals, als der Führer lebte,
Erhielten sie noch Unterricht.

Heute werden sie geholfen
Auf beruflich Werdegang,
Von der Werbung und von Viva,
Bis zu ihrem Untergang.

German People Mischmasch sprechend,
Kanak Sprak und Denglisch toll,
Anglizismen hochverehrend.
Deutschländ very wundervoll.
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